In vier Gotteshäusern zu Hause
Abschied von der Seelsorgeeinheit „Am kleinen Heuberg“: Pfarrer Rudolf Junginger geht in Ruhestand
Geislingen/Rosenfeld, 05.02.2011 von Rosalinde Conzelmann
Offiziell beginnt der neue Lebensabschnitt für den Priester am 1. August. Seinen runden Geburtstag wird er an seinem Altersruhesitz am Bodensee verbringen. Der Geistliche hat vorgesorgt für seinen Lebensabend und sich schon vor einigen Jahren in Ludwigshafen eine „kleine Wohnung mit Traumblick auf die Alpen“ gekauft. Bereits in der Vergangenheit hat er seine Urlaube und die freien Wochenende dort verbracht.
Für seine Katholiken in Geislingen, Rosenfeld und den Geislinger Ortsteilen Erlaheim und Binsdorf ist sein Abschied keine Überraschung. „Ich habe immer gesagt, dass ich mit 70 aufhören werde“, erzählt er.
Rudolf Junginger kann auf ein langes und bewegtes Priesterleben zurückblicken. Er ist in Heidenheim an der Brenz aufgewachsen und wurde von seiner Mutter alleine großgezogen, weil der Vater nicht aus dem Krieg zurückgekehrt ist. Seine Entscheidung, Priester zu werden, reifte in ihm schon in jungen Jahren: „Es war von klein auf mein Wunsch, der Kirche zu dienen.“
Nach seinem Theologie-Studium an den Universitäten in Tübingen und Würzburg arbeitete er ein Jahr lang als Diakon in Nagold. Rudolf Junginger wurde im Jahr 1968 in Stuttgart-Roth als einer von 25 jungen Seelsorgern zum Priester geweiht. „Von diesen Zahlen träumt die katholische Kirche heute“, meint der 69-Jährige nachdenklich. Er erinnert sich noch gut an die „Aufbruchstimmung unserer Kirche“ in den Jahren 1962 bis 1965: „Das Zweite Vatikanische Konzil hat mich sehr geprägt.“
Seine erste Vikarstelle führte Junginger nach Schramberg, 1970 wurde er dort auch Pfarrer und blieb 16 Jahre lang.
1986 wechselte der Pfarrer in die St.Franziskus-Gemeinde Schwenningen mit 9000 Katholiken. Er übernahm 1997 die Dekanstelle in Rottweil und wurde in den Priesterrat gewählt. „Das war eine interessante Zeit“, berichtet der Geistliche. Zumal St. Franziskus eine sehr lebendige Gemeinde sei und „wir auch viel in Sachen Ökumene gemacht haben“. 1997 starb seine Mutter, die ihm den Haushalt geführt hatte. „Ihr Grab ist in Schwenningen“, so Junginger.
In Geislingen wartete im Jahr 2002 eine besondere Herausforderung auf den Nachfolger des bisherigen Pfarrers Albert Rohr. „Ich war der erste Pfarrer der Seelsorgeeinheit 'Am Kleinen Heuberg'“, berichtet Junginger. Zur Seelsorgeeinheit gehören neben der St. Ulrich-Gemeinde Geislingen, die katholischen Gemeinden Rosenfeld, Erlaheim und Binsdorf. Alle Pfarreien unter einen Hut zu bringen, sei nicht immer leicht. „Man kommt sich als Reisender vor“, beschreibt Junginger dieses Gefühl, das ihn seither begleitet. Dank der guten Mitarbeit aller Katholiken habe das rollierende System aber stets gut geklappt. „An den hohen Festtagen wie Ostern und Weihnachten ist die Arbeit des Seelsorgepfarrers schon kräftezehrend“, sagt der 69-Jährige.
Als vertrauensvoll und gut beschreibt Junginger die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Bürgermeistern Günther-Martin Pauli und Oliver Schmid. Auch im Kirchengemeinderat herrsche ein gutes und konstruktives Miteinander. In Jungingers Amtszeit fielen die Sanierung der historischen Kirchenmauer von St. Ulrich sowie die Sanierung und der Anbau des Gemeindehauses.
Am 10. Juli werden die Katholiken der Seelsorgeeinheit offiziell Abschied nehmen von ihrem Pfarrer. Laut Junginger ist die Stelle bereits ausgeschrieben.
Für Junginger beginnt dann am 1. August das Rentendasein. „Ich freue mich natürlich darauf, dass ich dann frei bin in meiner Zeiteinteilung“, sagt er. Es gibt aber auch Rituale, die er vermissen wird: „Die St. Ulrichkirche war immer gut besucht und die Beerdigungen in Geislingen sind eine Besonderheit. Ein Kulturgut, dass hoffentlich auch bei meinem Nachfolger so bleiben wird“.
