Feuer zerstört Kirche vollständig
Serie von Brandstiftungen in Balingen-Frommern – 150 Einsatzkräfte sind vor Ort
Frommern, 13.03.2011 von Frank D. Engelhardt
Der Schock sitzt tief: Pfarrer Ewald Ginter steht fassungslos vor seiner Kirche, aus deren Dach die Flammen schlagen. Über 150 Einsatzkräfte kämpfen in der Nacht gegen das Feuer, können das katholische Gotteshaus aber nicht mehr retten.
Fatale Folgen einer Serie von Brandstiftungen an Müll- und Papiertonnen. Während an drei Brandorten im Ortszentrum des Balinger Stadtteils nur geringe Schäden entstehen, ist an der katholischen Kirche in der Sankt-Paulus-Straße ein Millionenschaden zu beklagen. Das Kirchengebäude brannte völlig aus. Am etwas abgesetzt errichteten Glockenturm sei dagegen versehrt geblieben, erklärt Peter Mehler, Pressesprecher der Polizei in Balingen.
Gegen zwei Uhr meldete ein Passant einen Mülltonnenbrand in der Richard-Wagner-Straße bei der Polizei. Über die Leitstelle Zollernalb wurde die Feuerwehr umgehend zur genannten Örtlichkeit beordert. Auch Polizeistreifen kamen unmittelbar nach Alarmierung zum Tatort. Dieser befand sich im Hinterhof einer Drogeriemarktfiliale. Dort brannten mehrere Papiertonnen. Der Brand hatte bereits einen Holzgartenzaun und die Rückwand einer Garage erfasst, konnte jedoch rasch mittels Feuerlöschern gelöscht werden.
Zeitgleich brannten in unmittelbarer Nähe an zwei weiteren Orten, unter anderem in einem Bretterverschlag und Carport, weitere Mülltonnen, die ebenfalls von Polizei und Feuerwehr innerhalb kürzester Zeit gelöscht wurden.
„In dieser Phase der Ereignisse wurde den Einsatzkräften gemeldet, dass es bei der katholischen Kirche in der Sankt-Paulus-Straße ebenfalls brennen würde“, erklärt Mehler. Auch hier hatten bisher unbekannte Täter auf der Rückseite der Kirche mehrere Abfallbehälter in Brand gesetzt. Diese standen direkt unter dem Kirchendachvorsprung, der in diesem Bereich relativ weit herunter reicht. Beim Eintreffen der Feuerwehr hatte der Brand bereits auf das Kirchendach übergegriffen und weitete sich äußerst rasch auf das gesamte Gebäude aus.
Ein Innenangriff der Einsatzkräfte war daher nicht mehr möglich. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand über drei Drehleitern, konnte jedoch die Zerstörung des Kirchengebäudes nicht mehr aufhalten. Ein Übergreifen auf benachbarte Gebäude wurde durch massive Brandbekämpfung allerdings verhindert. Glücklicherweise kamen bei den Bränden keine Personen zu Schaden. Die Lösch- und Aufräumarbeiten dauerten bis in die Morgenstunden.
Neben allen Wehren der Stadt Balingen waren auch die Drehleitern aus Albstadt und Hechingen im Einsatz – insgesamt über 130 Feuerwehrleute. Die Einsatzleitung oblag Stadtbrandmeister Joachim Rebholz. Oberbürgermeister Helmut Reitemann machte sich noch in der Nacht ein Bild vor Ort und wurde im Frommerner Feuerwehrhaus, wo alle Drähte zusammen liefen, ausführlich informiert.
Die zunächst unübersichtliche Lage veranlassten die DRK-Verantwortlichen neben dem Rettungsdienst weitere Bereitschaften zu alarmieren. So waren neben der DRK-Bereitschaft Weilstetten auch zwei ehrenamtlich besetzte Rettungswagen aus Balingen und Geislingen in Frommern. Zur Führungsunterstützung kamen Helfer aus Geislingen. Zunächst evakuierte Personen konnten sehr schnell wieder in ihre Häuser entlassen werden. Das DRK unter der Leitung des stellvertretenden Kreisbereitschaftsleiters Heiko Lebherz war mit rund 20 Helfern vor Ort und sorgte auch für die Verpflegung aller Einsatzkräfte.
Noch in der Nacht hat die Kriminalpolizei der Polizeidirektion Balingen eine Ermittlungsgruppe zur Klärung dieser folgenschweren Brandserie eingerichtet. Sie bittet insbesondere Personen, die am Sonntag im Bereich der Brandstellen zwischen null und zwei Uhr unterwegs waren, sich mit der Kripo in Balingen, Telefon (0 74 33) 2 64-0, in Verbindung zu setzen. ? pz / dd / fde
