Goldener Herbst auf Lehrstellenmarkt
Kammern und Arbeitsagentur stimmen überein: Situation für junge Leute so günstig wie nie
Balingen, 11.11.2011 von Hannes Mohr
Das teilten gestern Vertreter der Industrie- und Handelskammer Reutlingen (IHK), der Handwerkskammer Reutlingen und der Balinger Arbeitsagentur im Pressegespräch mit.
Walter Herrmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, nennt die Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt „sehr gut“. So konnte die Kammer einen deutlichen Zuwachs an Ausbildungsverträgen in diesem Jahr gegenüber 2010 verzeichnen. „Damit haben wir wieder fast Vorkrisenniveau erreicht“, so Herrmann mit. Besonders auffällig sei die überdurchschnittliche Zunahme an technischen Berufen, insbesondere im Bereich der Metall- und Elektrotechnik, meint er weiter. „Die Ausbildungsbereitschaft ist sehr hoch“, zieht Herrmann ein Fazit. Er geht davon aus, dass sich die Zahlen in 2012 noch steigern werden. „Vorausgesetzt, es gibt geeignete Bewerber“. Für Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben, gibt es die so genannten Einstiegsqualifizierungen. Dabei werden die jungen Menschen durch ein Betriebspraktikum für die Ausbildung fit gemacht.
Rainer Neth, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskamme Reutlingen, hat ebenfalls erfreuliche Nachrichten. Auch im Handwerk sei die Anzahl der Auszubildenden im Kreis gestiegen, während sie landesweit leicht zurückging.
Als Grund nennt er das Engagement der Unternehmen. „Die Betriebe gehen mehr in die Offensive“, meint Neth. Die Zeiten, in denen Lehrlinge von selbst kamen, seien vorbei. Das hätten auch die ansässigen Firmen begriffen. Dennoch sieht er für die Zukunft im demografischen Wandel und in den rückläufigen Schülerzahlen ein Problem, das es anzupacken gelte.
Auch die Jugendarbeitslosigkeit bewege sich auf einem niedrigen Niveau, sagt Georg Link, Chef der Balinger Arbeitsagentur. Nur sechs Jugendliche, die sich an die Agentur gewandt hatten, konnten weder in eine Ausbildung, noch in eine Maßnahme oder Berufsschule vermittelt werden, ergänzt Pressesprecher Rolf Gehring. Durch den Überschuss an Lehrstellen sei die Situation für junge Menschen im Moment mehr als günstig, betont Link. Der Bezirk der Arbeitsagentur Balingen umfasst die beiden Landkreise Zollernalb und Sigmaringen.
Zahlen und Daten: Entwicklung des Lehrstellenmarktes im Zollernalbkreis
Die IHK verzeichnet im Zollernalbkreis einen Zuwachs von acht Prozent an Ausbildungsverträgen gegenüber dem Jahr 2010. Im Bezirk der IHK Reutlingen liegt nur Tübingen mit 9,7 Prozent Zuwachs darüber. Ausbildungen in technischen Berufen stiegen um 7,3 Prozent, kaufmännische dagegen nur um drei Prozent. Im gesamten Bezirk liegt die Veränderung plus 4,5 Prozent.
Das Handwerk meldet für den Zollernalbkreis eine Zunahme von 3,6 Prozent an neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverhältnissen. Im gesamten Kammerbezirk waren es sechs Prozent mehr Lehrstellen. Landesweit ging die Zahl um 0,2 Prozent zurück.
Über die Arbeitsagentur suchten 2190 junge Leute eine Lehrstelle. Ausbildungsplätze gab es 2360.
