Kollegen statt Familie
Dienst an Heilig Abend: Nicht jeder hat heute frei
Albstadt-Ebingen, 24.12.2011 von Holger Much
Ines Wirtz ist seit 27 Jahren Hebamme, 20 Jahre davon im Ebinger Krankenhaus. An Sonn- und Feiertagen oder eben auch mal an Weihnachten nicht im trauten Kreise der Familie zu sitzen, sondern arbeiten zu müssen, ist für sie nichts ungewöhnliches: „Ich arbeite seit rund 30 Jahren im Schichtdienst im sozialen Bereich“, erzählt sie, „da gewöhnt man sich daran. Mein Kind ist erwachsen, da ist das nicht mehr tragisch. Und bei Kollegen, die noch kleine Kinder haben, da schauen wir schon, dass die dann auch mit der Familie feiern können.
Doch ganz ohne weihnachtliches Flair wird es auch während des Weihnachtsdienstes nicht abgehen. Die Schwestern, Pfleger oder Ärzte, die Bereitschaft haben, feiern zusammen ein wenig. Man zündet Lichter an und schmückt die Räume festlich, an Heilig Abend wird eine CD mit festlicher Musik in den CD-Player geschoben – wenn nicht ein neuer Erdenbürger einen Strich durch die Rechnung macht.
Ines Wirtz: „Ich habe einen sozialen Beruf. Hebamme zu sein – das ist zudem eigentlich kein Beruf, das ist eine Berufung“, erzählt sie mit Überzeugung und fügt schmunzelnd hinzu: „Wenn also ein Weihnachtsbaby raus möchte – dann lassen wir es“.
Auch fünf Polizeibeamte – respektive vier Beamte und eine Beamtin – der Schutzpolizei Albstadt sind dieses Jahr dran mit dem Weihnachtsdienst. Dienstgruppenleiter Hans-Toni Stauß, an dem der Kelch des Feiertagsdienstes in diesem Jahr vorbeigegangen ist, erzählt: „Bei der Erstellung des Dienstplanes versuchen wir drauf zu achten, dass Kollegen, die noch kleine Kinder haben, an Heilig Abend zu Hause sein können. Das klappt zwar nicht immer – aber oft.“
Ansonsten gehen die Beamte entspannt damit um, statt zu Hause bei der Familie heute Abend in der Wache oder auf Streife zu verbringen. „Aber das weiß man eben vorher, Dinge wie Wochenend- oder Feiertagsdienst gehört zum Job“, sagt Jens Döppert, bei dem die Familie heute ohne den Papa feiert. „Mir macht das nichts aus. Und nächstes Jahr ist dann ja auch wieder ein anderer Kollege dran.“
An Heilig Abend ist ab dem späten Nachmittag Ruhe
Eher ruhig ist es vermutlich, so weiß man bei der Polizei, an Heilig Abend. Bis 16 Uhr, solange die Leute noch hektisch Geschenke kaufen, passiert vermutlich so einiges. Danach, hoffen die erfahrenen Beamten, kehrt heute Ruhe ein. Das sei ihnen und uns allen auch von Herzen gegönnt.
