Da hatte jemand die Hände mit im Spiel
Mühlengeist: Gericht hört den Feuerwehrchef
Balingen/Hechingen, 13.01.2012
Am Verhandlungstag sieben berichteten gestern zunächst zwei Zeugen, wie sie in den frühen Morgenstunden des 2. August 2010 Rauchwolken über den „Mühlengeist“ sahen und wie ihnen übler Brandgeruch schon von Ferne in die Nasen stach. Beide waren beruflich mit dem Auto unterwegs und verständigten nacheinander gegen 4.10 Uhr die Polizei und die Einsatzleitstelle Balingen.
Beide sahen auch Feuer – das zu diesem Zeitpunkt aber noch im Inneren des Lokals wütete. Das Dach durchschlugen die Flammen erst nach dem Eintreffen der Wehr. Da war das beliebte Ausflugslokal aufgrund der enormen Hitze und der Gewalt der Lohen längst nicht mehr zu retten.
Am Katastrophenort befand sich auch der von der Polizei herbei geholte Hauptangeklagte: Der vormalige Pächter des „Mühlengeistes“. Der Schilderung eines Beamten zufolge wirkte er „geschockt“. Überhaupt sei die Stimmung niedergeschlagen gewesen. Fast alle Anwesenden wussten, dass das beliebte Balinger Ausflugslokal erst 13 Monate zuvor schon einmal in Rauch aufgegangen war und gerade erst wieder seine Pforten geöffnet hatte.
Als der Pächter von Helfern des DRK versorgt werden musste, dachte wohl noch niemand daran, er könnte etwas mit dem neuerlichen Inferno zu schaffen haben. Der Verdacht, es gehe bei dieser Feuersbrunst nicht mit rechten Dingen zu, keimte indessen schon damals.
Wie Stadtbrandmeister Joachim Rebholz, der als allererster Wehrmann vor Ort war, sagte, sei das Feuer „untypisch“ gewesen. Bei einem technischen Defekt, argumentierte er, hätte sich der Brand von einem Punkt ausgehend, allmählich vergrößert. Hier aber loderte unzweifelhaft bereits nach kürzester Zeit eine unangemessen breite Front des Gebäudes. Folglich musste jemand seine Hände im Spiel gehabt haben. Diese Einschätzung des Gesamtkommandanten bestätigte sich dann später in den Gutachten der Brandsachverständigen.
Während die Richter gestern großes Interesse am Verlauf der Löscharbeiten zeigten, fühlte sich das Publikum davon weniger angezogen. Nachdem morgens klar geworden war, dass mittags vor allem Wehrleute und weitere Hilfskräfte zu Wort kommen würden, zeigten sich die Zuschauerreihen nach der Mittagspause verhältnismäßig leer.
Die Fortsetzung des Prozesses ist für den kommenden Montag angekündigt
