„Wir wollen keinen Dom“
Architekten aus Aichtal gewinnen Wettbewerb zu neuer St. Paulus-Kirche
Balingen-Frommern, 16.01.2012 von Klaus Irion
„Jetzt erst fällt mir auf, das Siegermodell steht ja direkt unter dem Jesuskreuz“, sagt Kirchengemeinderat Andelin Hotkovic und schmunzelt. Ein Zeichen? „Wer weiß“, entfährt es Frommerns katholischem Gemeindepfarrer Ewald Ginter. Beide sind nach eigener Aussage „sehr zufrieden“ mit dem Ausgang des Architektenwettbewerbs. Für den katholischen Priester ist die wichtigste Aussage darin umgesetzt. „Wir wollen keinen Dom, kein Münster, wir wollen eine Kirche, die an diesen Ort passt und nicht isoliert steht.“
Eben so wie die alte, durch Brandstiftung zerstörte Kirche war. Geht es nach dem Vorschlag von Klumpp + Klumpp, die sich über ein Preisgeld von 10 000 Euro freuen dürfen, würde die neue St. Paulus-Kirche wieder an derselben Stelle stehen wie ihre Vorgängerin. „Ein Konzept für den genauen Ort und den Kirchbau an sich war schnell gefunden“, so Prof. Klumpp. Die Schwierigkeit sei gewesen, die neue Kirche und den bestehenden Kirchturm gestalterisch zu einer Einheit zu verbinden. Genau das ist den Siegern „am besten gelungen“, meinte Prof. Hellmut Raff aus Tübingen, der als Fachpreisrichter mit in der Jury gesessen hatte und gestern allen Gästen die sechs Modelle näherbrachte, „die in die engere Wahl gekommen waren“.
Die „Siegerkirche“ wäre vom Gebäudevolumen her die Kleinste, dafür aber auch die am wirtschaftlichsten zu Unterhaltende. „Und das ist heutzutage mit Blick auf die energetische Nachhaltigkeit nicht zu unterschätzen“, erklärte Pfarrer Ginter. Was die Kirche, so sie denn in dieser Form gebaut werden sollte, kosten würde, „das steht noch in den Sternen“, meint Loretta Harke, 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Paulus. In den kommenden Wochen debattieren der Kirchengemeinderat und die Diözese Rottenburg-Stuttgart den von der Jury empfohlenen Entwurf. Noch ist alles möglich. Auch, dass eine der beiden mit 5000 Euro bedachten, zweitplatzierten Arbeiten – eingereicht von den Architekten Eberhard Wurst beziehungsweise Kadir Tokat (beide Stuttgart) – den Vorzug bekommen könnte.
„Toll, aber mit wenig Chancen, real umgesetzt zu werden“, ist für die Kirchengemeinderäte Harke und Hotkovic die Arbeit von Helmut Dasch (Stuttgart). Dessen außergewöhnliche Konstruktionsidee war der Jury aber einen sogenannten „Ankauf“ und damit 3000 Euro Preisgeld wert.
