Manege frei

21.01.2012 von Hannes Mohr

Ich kann mich noch genau an die Zirkusbesuche als Kind erinnern. Bereits die großen Reklametafeln an den Brückengeländer in der Stadt hatten in mir Vorfreude aufsteigen lassen. Ausgestattet mit Popcorn beobachtete man tollkühne Artisten und wagemutige Tiger-Dompteure. Doch der Zauber um den Zirkus ließ mit dem Älterwerden nach. Seit vielen Jahren war ich nicht mehr im Zirkus – bis vor kurzem. In Stuttgart lagerte der Weltweihnachtszirkus. Es erwartete mich ein Programm internationaler Artisten, das bis auf Pferde und Lamas ohne Tiere auskam. Sobald die Pforten des riesigen Zeltes beschritten waren, kam es wieder auf: Das Gefühl aus der Kindheit. Schnurstracks lief ich zum Popcornstand. Ein großer Pott von dem süßen, gepufften Mais-Snack gehört einfach dazu. Dann hieß es: Manege frei! Ich hatte total vergessen, wie faszinierend der Zirkus ist. Artisten führten die halsbrecherischsten Kunststücke vor – oft hoch oben, unter der Zirkuskuppel. Mit jedem waghalsigen Künstler fieberte man mit, als ob es um das eigene Leben ginge. Ich hatte den guten alten Zirkus davor beinahe schon abgeschrieben gehabt. Zu unrecht, wie ich jüngst feststellen musste.

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