Leserbrief

Wir leben in einer Zeit, in der es keine Grenzen mehr gibt

25.01.2012

Für viele Jungs oder Männer sind Garde- oder Showtanz-Mädchen offenbar „Freiwild“. Übergriffe in Form von, den Mädchen mal an den Po fassen oder einen Klaps geben, gab es schon immer, was für mich schon eine überschrittene Grenze des Anstandes ist. Was sich allerdings extrem verändert hat, ist, dass es keine Hemmschwelle mehr gibt. Diese „jungen“Männer halten sich doch tatsächlich noch für cool und stehen vor ihren Kumpels noch gut da, wenn sie solche Aktionen starten. Meine Schwestern waren schon Gardemädchen, meine Tochter und meine Nichten sind es z.T. heute noch. Von ihnen allen weiß ich, dass so ein Verhalten tatsächlich an der Tagesordnung ist. Es gab mal eine Zeit, da wussten die Männer noch, wenn sie sich daneben benommen hatten und haben sich im besten Fall entschuldigt.

Müssen Mädchen und Frauen es heute wirklich als normal betrachten, angegrapscht oder sogar vergewaltigt zu werden, weil wir in einer Zeit leben, in der es keine Anstandsregeln und Grenzen mehr gibt? Meine Eltern haben mir beigebracht, richtig von falsch zu unterscheiden, und wenn ich einen Fehler mache, dafür geradezustehen habe. Vielen Kindern und Jugendlichen wird das heute wohl nicht mehr vermittelt, sonst würden sie sich nicht so unglaublich roh verhalten.

Es würde mich interessieren, ob sich dieser junge Mann und seine Kumpels mal Gedanken über dieses Mädchen gemacht haben. Ob sie wohl wissen, dass durch solche Taten ein Mensch kaputt gemacht und ein Leben zerstört werden kann?!

Wie ist das Gefühl, sich verantwortlich für so ein großes Leid zu fühlen? Natürlich gehört auch Charakterstärke und Ehrgefühl dazu, zu seinen Fehlern zu stehen! Diesem Mädchen wünsche ich von ganzem Herzen viel Kraft und dass sie es schafft, über dieses schlimme Erlebnis so gut wie möglich hinwegzukommen.

Petra Müller,
Hindenburgstr.71, Balingen