Feuerwehrmann Hejny mit Personalsorgen
Württemberg-Liga: Brisante Begegnung zwischen Weilstetten und Bad Saulgau
Balingen, 27.01.2012 von Reinhard Linder
Alt sind sie nicht wirklich, genau genommen sogar noch sehr jung. Einige der Spieler beim TV Weilstetten haben in der Jugend gemeinsam mit den Saulgauer Leistungsträgern Heiko Herrmann und Daniel Matt das Trikot der JSG Balingen getragen. Aus unterschiedlichen Gründen schlossen sich Letztere der HSG Albstadt an und wechselten vor Rundenbeginn nach Oberschwaben. Dorthin verschlug es auch Sven Biselli, welcher der JSG schon früh den Rücken gekehrt hatte und über das Magdeburger Sportinternat, den HBW 2 und Albstadt nach Saulgau gefunden hatte. Der Linkshänder wird am Samstag um 18 Uhr in der Kronriedhalle allerdings nicht auf-laufen können, weil er sich die Hand gebrochen hat.
Damit sind die personellen Verflechtungen aber noch lange nicht abgeschlossen. „Füchse“-Keeper Edis Camovic stand in der vorigen Saison noch im Kasten der Albstädter. Ihn wie auch Matt, Biselli und Herrmann hatte Trainer Günther Hejny zu den Schwarz-Roten gelotst. Den umgekehrten Weg schlug Martin Maier ein, welcher zu dem B-Lizenzinhaber keinen Draht fand und sich dem TVW anschloss. Hejny musste vor eineinhalb Jahren seinen Hut nehmen, im vergangenen November verpflichteten die Badstädter ihren früheren Rückraumbomber als Feuerwehrmann. Ihm trauten die Klubgranden zu, die Mannschaft vom zweitletzten Rang auf einen Nichtabstiegsplatz zu führen. Hej- nys Bilanz ist allerdings dürftig. Unter seinem Kommando gewann der TSV bisher nur ein Spiel, bereits sechs Punkte fehlen zur Relegation.
Die Misere des früheren Regionalligisten kommt nicht von ungefähr. Gleich reihenweise fielen Stammspieler wie Regisseur Janos Csele mit schweren Verletzungen für lange Zeit aus. Die in den Weihnachtsferien getätigte Verpflichtung des Allrounders Daniel Kottan, eines Österreichers mit ungarischen Wurzeln, war ein Tropfen auf den heißen Stein. Und nun hat sich auch noch Biselli zu den Lazarettinsassen hinzugesellt. „Das ist höhere Gewalt“, sagt Hejny ohnmächtig, „momentan haben wir keine Chance.“ Und so ist für ihn am Samstag auch der Tabellenvierte TV Weilstetten der haushohe Favorit: „Das ist eine eingespielte homogene Truppe, die sehr gut in der Abwehr steht.“
Weilstettens Trainer Dominik Koch hat gegen die Favoritenbürde nichts einzuwenden, auch wenn er nicht an die vorgebliche Schwäche der Saulgauer glauben will: „Unsere bisherigen Erfolge sind das Ergebnis sehr harter Trainingsarbeit. Im Moment genießen wir unseren vierten Tabellenplatz und wollen versuchen, diesen so lange wie möglich zu halten.“
Der B-Lizenzinhaber erwartet ein sehr intensives Spiel, in dem seine Jungs nicht nur gegen die Akteure auf dem Feld, sondern auch gegen die wenigstens 500 Saulgauer Schlachtenbummler zu bestehen haben. „Wir müssen von Beginn an durch gute Aktionen die Halle ruhig halten, damit sie nicht zum Hexenkessel wird. Dann haben wir die Chance, zwei weitere Auswärtspunkte zu holen.“ Es gelte, über 60 Minuten hinweg Tempohandball zu spielen und mit der Abwehr die gegnerischen Angreifer früh unter Druck zu setzen.
Koch fiebert einem heißen Tanz entgegen, da ein Sieg für die Hejny-Truppe praktisch die letzte Chance auf den Klassenerhalt darstelle: „Die werden sich nicht einfach ergeben.“ Vielmehr rechne er mit einem taktisch sehr interessanten Spiel, „denn so wie ich Hejny kenne, wird er sich etwas einfallen lassen. Er hat uns ja am vergangenen Samstag beobachtet.
