Auto-Wahnsinn um 7.30 Uhr

02.02.2012 von Klaus Irion

„Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ ist der poetische Titel eines Romans von Eric Malpass. Eine halbe Stunde später sieht die Welt dann aber schon ganz anders aus. Balingen, Gymnasiumsstraße, unmittelbar am Beginn des Schulzentrums Längenfeld. Inmitten des allmorgendlichen Wahnsinns steht ein kleiner Schüler einsam auf dem Gehweg und versucht verzweifelt, die Straße zu überqueren. Glücklicherweise wagt er keinen „Vorstoß“ in die Straße hinein, denn weit käme er nicht. Aus beiden Richtungen strömt die Blechlawine. Schüler für Schüler wird herangekarrt. Für die, die sich vor Ort auskennen, sei erwähnt, dass es mehr als genug Parkplätze direkt am dortigen großräumigen Buswartehäuschen gibt. Allein, sie werden nicht genutzt. Stoßstange an Stoßstange wird stattdessen die benachbarte Wendeplatte verstopft. Zeit ist Geld, die Kinder sind spät dran, die Arbeit ruft. Also: Heranbrausen, Tür auf, Kind raus, am besten direkt auf die viel befahrene Straße, Tür wieder zu, wegbrausen. Derweil steht der kleine Junge noch immer an der selben Stelle. Als ich sein Problem bemerke, will ich schon anhalten, ihm ein Zeichen geben, dass er nun die Straße queren kann. Im letzten Moment besinne ich mich eines Besseren, denn der Auto-Lindwurm in Gegenrichtung kommt schon wieder bedrohlich nahe. Ich hoffe, er hat es dann doch noch schadlos auf die andere Straßenseite geschafft. Sollte er etwas zu spät zum Unterricht gekommen sein, dann, liebe Lehrer, sehen Sie es ihm nach. Sein Warten am Straßenrand war vorbildlich.

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