Dämonen der Finsternis
03.02.2012 von Gudrun Stoll
Für uns Albstädter sind ganz neue Zeiten angebrochen. Seit voriger Nacht wird's von Eins bis halb Fünf zapfenduster. In jenen Straßen, die nicht gerade vor dem Tailfinger Rathaus oder direkt an den Hauptverkehrsadern liegen. Stadtverwaltung und Gemeinderat wollen es so. Sie haben den meisten Bürgern das Licht vor der Haustür ausgeknipst. Um Geld zu sparen. 46 000 Euro pro Jahr. Sagenhaft !
Ich habe mich in der Premierennacht aus dem warmen Bett gequält, um vom Balkon aus das Flair stockdunkler Straßenzüge auf mich wirken zu lassen und jene bedrückende Finsternis, die ältere Leute unweigerlich an Kriegszeiten erinnert.
Das lässt wahrlich schöne Aussichten erwarten. Für alle, die nachts oder in aller Herrgottsfrüh raus müssen, ob sie es wollen oder nicht: die Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und DRK, die Frühschicht in Firmen, Verkehrsbetrieben und Krankenhäusern, die Dienstleister in den Backstuben, die Gemüsehändler, die Zeitungsausträger...
Es macht wirklich keinen Spaß, mit mulmigem Gefühl im Bauch aus dem Haus zu huschen und im Licht einer Taschenlampe den Weg zur Garage auszuleuchten. Mitten in einem tiefkalten Winter, der über Nacht Straßen und Zufahrten in schöner Regelmäßigkeit mit tückischer Glätte überzieht.
Sobald die Alb vom Eise befreit ist, werde ich auf Tour gehen. Nachts, wenn es dunkel ist. Um zu schauen, ob's auch in den Straßen unserer Stadtoberen und Stadträte stockfinster wird, während sie im Schlafe der Gerechten schlummern. Guten Gewissens. Wem hingegen Albstadts Geisterstunden Unbehagen bereiten, dem sei gesagt: Pfefferspray und Elektroschocker sind legale Mittel, um sich vor den Dämonen der Finsternis zu schützen.
