Leserbrief

Kinder brauchen einen ausreichenden Schutz

03.02.2012

Die Umwelt- und Verbraucherorganisation Diagnose-Funk veröffentlicht die Übersetzung der neuen US-Studie von Gandhi et al. mit dem Titel: „Die Unterschätzung der aufgenommenen Handystrahlung, insbesondere bei Kindern“ (2011). Sie weist nach, dass Handynutzer einer viel höheren Strahlungsbelastung ausgesetzt sind als der SAR-Wert ihres Handys- oder Smartphones angibt.

In der Studie wird festgestellt, dass bei 97 Prozent der Bevölkerung die zugelassene Strahlendosis überschritten wird. Vor allem bei Kindern kann die Strahlenbelastung am Kopf bis zum Dreifachen höher sein, die Augen und Knochen werden um bis zu zehn Mal mehr als bei Erwachsenen belastet. Dadurch ist eine „akute Gesundheitsgefährdung“ gegeben. Forschungen weisen auf Symptome wie Kopfschmerzen, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen hin, die WHO hat diese Strahlung als möglicherweise krebserregend eingestuft. Der SAR-Wert wird nach einem von der „Mobilfunk-Industrie“ konzipierten Zulassungsverfahren ermittelt, bei dem die Körpermaße von zehn Prozent der Rekruten der US-Armee im Jahr 1989 als Maße für eine Modellpuppe verwendet wurden. Diese Rekruten waren durchschnittlich 1,88 Meter groß und wogen 100 Kilogramm. kg. Dieses Zulassungsverfahren unterschätzt die tatsächliche Aufnahme von Handystrahlung so stark, dass jeder Nutzer, der sein Handy ans Ohr hält oder in seiner Hosentasche trägt, eine weit über dem SAR-Richtwert liegende Strahlendosis aufnimmt. Der SAR-Wert täuscht Sicherheit vor. Als Konsequenz fordern die Forscher die Einführung eines computergestützten Zulassungsverfahrens, an realen Menschen orientiert, das sofort zur Verfügung stünde.

Die Forscher appellieren deshalb: „Weil Milliarden junger Kinder und Erwachsener, deren Köpfe kleiner sind als die der SAM-Modellpuppe, heute ausgiebig Handys verwenden und im Verhältnis mehr Handystrahlung aufnehmen, ist es unbedingt erforderlich und dringlich, dass Regierungen auf der ganzen Welt ihre Vorgehensweise bei der Festlegung von Grenzwerten für Mobilfunkstrahlung überarbeiten, um einen ausreichenden Schutz von Kindern zu gewährleisten.“

Diagnose-Funk schließt sich diesen Forderungen an und appelliert an die Bundesregierung und die Ärzteverbände, die Ergebnisse dieser Studie ernst zu nehmen, neue Prüfverfahren einzufordern und die Bevölkerung effizient über diese Gefahren aufzuklären und zu schützen.

Eugen Rominger
Georgstr. 31, Meßstetten
BI Eichhalde