Inferno in der Hechinger Altstadt
Dramatische Rettungsszenen – Neun Menschen verletzt – Ursache noch unklar
Hechingen, 07.02.2012
Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße (gegenüber von „Fecker“) wurde gestern Abend ein Raub der Flammen. Stundenlang kämpften 200 Feuerwehrleute verzweifelt darum, die angrenzenden Altstadthäuser vor einem Übergreifen des Feuers zu schützen. Speziell das Nachbarhaus Marktplatz 2, die frühere Hof-Apotheke, war akut bedroht. Ob das Gebäude zu halten war, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Ausgebrochen ist das Feuer im Haus Marktstraße 1 gegen 16.45 Uhr. Als die Feuerwehr eintraf, spielten sich dramatische Szenen ab. Aus den Fenstern des zweiten Obergeschosses riefen Menschen um Hilfe. Ein Stockwerk tiefer drangen Rauchwolken nach draußen. Vor der Gaststätte „Fecker“ stand Bürgermeisterin Dorothea Bachmann zusammen mit anderen Passanten und versuchte, die eingeschlossenen Hausbewohner zu beruhigen. Die Hechinger Feuerwehr bezog vor dem Reformhaus Stellung und fuhr die Drehleiter aus. Kurz nach fünf waren zwei junge Männer gerettet. Doch dann tauchte in der Schlossstraße das Gesicht einer völlig verzweifelten alten Frau am Fenster des zweiten Stockwerks auf. Eiligst bauten Feuerwehrleute eine Steckleiter auf, um zu ihr zu gelangen. Eine Rettung auf diesem Wege schien jedoch aussichtslos, und die Hechinger Drehleiter war in der Marktstraße gebunden. Ein Trupp Atemschutzträger versorgte die Seniorin mit einer Schutzmaske. Die 78-jährige Frau harrte am offenen Fenster aus. Eine schier unendliche halbe Stunde dauerte es, bis die Burladinger Feuerwehr die Frau über ihre Drehleiter sicher zu Boden brachte. Sie wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung und mit Schocksymptomen ins Krankenhaus gebracht. Die beiden zuerst geretteten Männer wurden in der Albstädter Klinik behandelt.
Trotz des geballten Kampfes von 200 Feuerwehrleuten (auch aus Rangendingen, Bisingen und dem Steinlachtal) mussten die 35 Rotkreuzhelfer fünf weitere Patienten betreuen, darunter zwei DRK-Helfer und ein Feuerwehrmann, der sich bei einem Sturz eine Schulterprellung zugezogen hatte. Wie es zu der Brandkatastrophe kommen konnte, war Feuerwehr und Kriminalpolizei am Abend noch ein Rätsel. Mehr auf unserer Sonderseite.
