Die Hektik bleibt draußen
„Ruhe-Pause“ an der Oststadtschule: Im neuen „Raum der Stille“ wird nur geflüstert
Albstadt-Ebingen, 15.02.2012 von Dagmar Stuhrmann
Unter einem Riesenzeltdach ist ein weißer Teppich ausgebreitet, bunte Kissen sind querbeet darauf verteilt. Keines der Kinder, welche sich auf dem Teppich hingelegt haben, sagt auch nur ein Wort. Stille ist angesagt, Entspannung, sich wegdenken, sich ausklinken, loslassen und die Seele baumeln lassen – wenigstens für kurze Zeit. Noch fehlen ein paar Kleinigkeiten, aber das ist alles nur eine Frage der Zeit. Der offizielle Startschuss für den „Raum der Stille“ an der Oststadtschule erfolgt schließlich erst am 16. März im Zuge einer Einweihungsfeier mit geladenen Gästen. Im Moment ist alles noch in der Vorphase, was aber nicht bedeutet, dass der Raum nicht schon kräftig genutzt würde.
Mit dem Projekt „Raum der Stille“ setzt die Grundschule im Ebinger Osten ganz bewusst einen Kontrapunkt zum auch für Kinder immer spürbarer werdenden Alltagsstress. Regeln sind wichtig: Wer die Stille-Oase betritt, muss die Schuhe ausziehen. „Jedes Kind hat sein eigenes Paar Socken,“ erzählt Daniela Amstutz-Kurz. Sie ist Religionslehrerin an der Oststadtschule und betreut die Kinder zweimal wöchentlich im „Raum der Stille“. Das Socken-Ritual markiert symbolhaft den Übergang aus der Hektik in die Stille und hilft den Kindern, sich auf die Abkehr vom Gewohnten einzulassen. Denn zum Gewohnten gehört für viele eben auch ein gewisses Quantum an Unruhe, Lärm und Reizüberflutung aus den unterschiedlichsten Quellen.
Der Raum der Stille ist nicht für diesen einen Zweck reserviert. Hier findet auch regulär Unterricht statt und auch die Hausaufgabenbetreuung. „Das empfinde ich aber gar nicht als Einschränkung,“ sagt Daniela Amstutz-Kurz. „Im Gegenteil,“ erläutert sie, „ich denke, das hilft sogar dabei, den Kindern zu vermitteln, dass sie sich nicht nur in einer ganz bestimmten Umgebung für ein paar Momente in sich zurückziehen können, sondern dass sie sich überall und zu jeder Zeit einen Ort dafür schaffen können.“
„Den Kindern macht es Spaß“, weiß Daniela Amstutz-Kurz, die aus ihrem Unterricht weiß, dass es den Schülern meist sehr gut gelingt, der konkreten Umgebung den Rücken zu kehren und sich in Gedanken in neue Welten hineinzuversetzen. Zwar baut die Lehrerin Entspannungsübungen und Phantasiereisen auch in ihren Religionsunterricht ein und bereitet so auch den Weg für das neue Projekt. „Mit dem 'Raum der Stille' in der großen Pause hat das aber nichts zu tun,“ sagt sie. Die „Ruhe-Pause“ steht allen Schülern offen, unabhängig von der Konfession. „Es ist für uns eine neue Erfahrung,“ ergänzt Schulleiter Peter Sontag. „Wir sind gespannt darauf, wie die Kinder das annehmen werden.“
Das Angebot basiert auf Freiwilligkeit. „Wer in der Pause lieber draußen spielen und sich bewegen möchte, kann das natürlich tun,“ sagt Peter Sontag. „Uns ist es aber wichtig, den Schülern auch die Möglichkeit zu geben, Stille als etwas Schönes und Erholsames zu erfahren.“ Finanziert wird das Ganze im übrigen über Spenden verschiedener Sponsoren. Auch die Eltern haben tatkräftig mit angepackt. Der Förderverein der Schule unterstützt das Projekt ebenfalls.
Innere Einkehr: Nicht nur ein Thema für den Religionsunterricht
Ruhe-Oase: Zweimal wöchentlich, dienstags und freitags, bietet die Ebinger Oststadtschule ihren Schülern die Möglichkeit, für fünfzehn Minuten – während der großen Pause – abzuschalten und zu entspannen.
Geleitet und betreut wird die „stille Pause“ von Daniela Amstutz-Kurz. Sie ist seit eineinhalb Jahren an der Oststadtschule und gibt Religionsunterricht. Das Pausenangebot ist für alle Schüler offen und konfessionsübergreifend.
