Heimatverbundenheit aus der Ferne

Betriebswirt Pascal Joos über Binsdorf, Zürichs „Goldküste“ und sein neues Leben in Südchina

Geislingen-Binsdorf, 18.08.2010 von Klaus Irion

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Binsdorf, Küsnacht, und nun Südchina: Betriebswirt Pascal Joos zieht es seit Jahren beruflich in die Ferne. Seiner Heimatverbundenheit mit dem Kleinen Heuberg tut dies aber keinen Abbruch.

Pascal Joos reist gern. Und das auch über die Grenzen Europas hinaus. Genauso so gern aber kehrt er dann stets wieder nachhause zurück. „Schon des Klimas und der wechselnden Jahreszeiten wegen“, erzählt er. Zuhause, das ist für den gebürtigen Binsdorfer seit einiger Zeit das Örtchen Küsnacht „an Zürichs Goldküste“, sprich direkt am Ufer des Zürichsees. Mit dem derzeit beliebten „Deutschen-Bashing“, dem Schimpfen auf die zahlreichen deutschen Gastarbeiter hat der 30-Jährige keine Probleme. „Wer so etwas von Zeit zu Zeit nicht erträgt, sollte dort nicht leben.“ Wobei er als Schwabe da doch etwas im Vorteil sei. „Schließlich verstehen wir die Schweizer und deren Dialekt problemlos.“ Das macht die Angriffsfläche kleiner. Apropos Dialekt: Wer genau hinhört, der erkennt in Joos’ Stimme bereits eine schwäbisch-schweizerdeutsche Mischung.

Dass er Küsnacht demnächst für ein, aber wohl eher zwei Jahre verlässt, hat dann auch nichts mit dem privaten Lebensglück, denn mit einer geschäftlichen Aufgabe zu tun. Denn reisen hin, leben in der Schweiz her, die Heimatverbundenheit ist dem studierten Betriebswirt geblieben. Mit 14 Jahren

kam er als Ferienjobber erstmals mit Thomas Preuhs in Kontakt. „Jener hat damals in Binsdorf in einer Garage eine verlängerte Werkbank betrieben, Firmen wie Kärcher oder Ideal beliefert.“ 15 Jahre später und um ein Abitur am Albstädter Wirtschaftsgymnasium, ein Studium an der Berufsakademie sowie mehrere Berufsjahre reicher ist Joos noch immer in Diensten von Preuhs. Die „Garage“ von einst hat Unternehmer Preuhs längst verlassen, sich jüngst am Ortsrand von Binsdorf einen nagelneuen Firmensitz für seine „Thomas Preuhs Holding GmbH“ erschaffen lassen. Gilt es doch von hier aus ein Konglomerat von acht Firmen zu verwalten.

Darunter auch die „Micro Mobility Ltd.“ mit Sitz in schweizerischen Küsnacht. Womit sich nun der Kreis schließt. Denn Pascal Joos sorgt dort bereits seit fünf Jahren dafür, dass Spiel- und Sportgeräte der Marke „micro“ weltweit vertrieben werden. „Dafür haben wir uns die Welt in drei Bereiche aufgeteilt.“ Joos ist dabei seiner Menatlitäts-Vorliebe entsprechend für Asien und Ozeanien zuständig. Im Mittelpunkt seiner Aktivitäten steht der Vertrieb von Roller, Scootern und Kickboards, die „nach einem Marktzusammenbruch im Jahr 2001 wieder gefragter sind denn je“. Und das auch bald in China, wo nach Joos’ Meinung die neue Mittelschicht in den kommenden Jahren nicht nur massenhaft Autos, sondern auch die kompakten unmotorisierten Gefährte konsumieren wird.

Aus einer Laune heraus entstand die zunächst als Spaß gedachte Idee, den chinesischen Roller-Markt persönlich zu beackern. Nun steht der reale Abflug kurz bevor, Joos tauscht die „Goldküste“ vorübergehend gegen ein Leben im Süden Chinas. Seine Lebensgefährtin begleitet ihn. „Ich freue mich auf die Reise nach Asien.“ Und so wie sich Joos in den vergangenen Jahren als Schweiz-tauglich erwiesen hat, „so ist man eben auch Asien-tauglich – schon was das Essen betrifft – oder man ist es eben nicht“. Pascal Joos nimmt für sich Ersteres in Anspruch. Schließlich hatte er bisher schon jedes Jahr vier oder fünfmal die Gelegenheit, sich selbst davon zu überzeugen.

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