Das Kollektiv ist gefragt
Oberliga: TSG Balingen trifft heute Abend auf die Stuttgarter Kickers 2
Balingen, 25.08.2010 von Ralph Conzelmann
Drei Spiele haben die Balinger in der Oberligarunde 2010/2011 bislang bestritten. Die Ausbeute: Ein Sieg (1:0 in Durlach) und zwei aufeinander folgende Niederlagen (0:1 gegen Villingen, 1:3 in Kehl). Mit den Stuttgarter Kickers 2 empfängt der aktuelle Tabellen-16. heute ein Team, das als einziges neben der TSG bis dato kein Unentschieden aufweist. Die Degerlocher, die schon viermal im Einsatz waren, haben zwei Siege (2:1 beim FSV Hollenbach, 4:1 gegen den ASV Durlach) und zwei Niederlagen (0:1 gegen den FC Nöttingen, 0:2 bei der Spvgg Neckerelz) zu Buche stehen.
Nicht nur der Papierform nach gelten die Balinger heute Abend als Außenseiter. Weit mehr noch als die Tabelle drängt sie ihre augenblickliche Form in diese Rolle. Die zuletzt in Kehl und zuvor schon gegen Villingen offen zu Tage getretenen Probleme sind vielfältig: Die meisten Akteure sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie sich um ein konstruktives Aufbauspiel kümmern könnten. Eine der großen Baustellen sind die Außenbahnen, über die viel zu wenig Druck entfacht wird. Zu allem Überfluss leistet sich die Defensive individuelle Aussetzer, die teils mit Konzentrationsschwächen, aber auch mit fehlender Spritzigkeit zu begründen sind.
Dass es an Ideen aus dem Mittelfeld mangelt, ist ein alter Zopf, der aber gerade dann ins Gewicht fällt, wenn die übrigen Rädchen nicht ineinander greifen. Bliebe die Abteilung Attacke: Wenn die Zuspiele ausbleiben oder unpräzise sind, fällt es den Stürmern schwer, sich zu behaupten – zumal der TSG ein Vollblutangreifer, der sich diese Bezeichnung entweder über seine spielerische Klasse oder auch über die körperliche Robustheit verdient, schmerzlich abgeht.
Was ist also zu tun im Spiel gegen die technisch versierten, wieselflinken Kickers? In allererster Linie ist das Kollektiv gefragt – zumindest so lange, wie sich keine Leistungsträger in den Vordergrund spielen, die eine Partie mit einem Geniestreich in die richtigen Bahnen lenken können. Im Training zog Karsten Maier zuletzt die Zügel an. Der Coach ließ durchblicken, dass er seinen Kader fürs heutige Heimspiel trotz der Personalmisere – mit Scheu, Oytun, Fecker, Candan und Spataro fallen fünf verletzte Spieler aus – reduzieren wird. Den Gegner bezeichnet Maier als „absolut spielstark“. Mit Moritz Steinle und Predrag Sarajlic verfügten die Kickers über herausragende Akteure, die es verstünden, das doch recht junge Team perfekt zu führen.
„Die Kickers orientieren sich stets nach vorne, suchen den direkten Ball in die Spitze und schließen schnell ab“, weiß Karsten Maier, der im Umkehrschluss von seinen Schützlingen ein verbessertes Zweikampfverhalten und eine Steigerung im spielerischen Bereich erwartet: „Wir müssen in der Lage sein, auch offensiv einen Ball zu behaupten. Gelingt uns das nicht, dann wird es eng.“
Stuttgarts Trainer Björn Hinck spricht von einem „wichtigen Spiel“ für seine Elf. Mit den bislang erreichten sechs Zählern ist der Kickers-Coach „ganz zufrieden“; nur der Gegner passt ihm nicht so recht: „Balingen ist immer unangenehm zu spielen, weil sie in der Defensive gut arbeiten“, sagt Hinck – und schiebt schnell nach: „Trotzdem komme ich natürlich jedes Jahr gerne hierher.“
Hincks selbst gestellter Auftrag: Die Kickers weiterbringen
Kontinuität auf dem Trainerstuhl wird bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers groß geschrieben: Schon seit November 2003, damals übrigens als Nachfolger von Robin Dutt (SC Freiburg), führt Björn Hinck das Kommando. Der 33-jährige DFB-A-Lizenz-Trainer, der seit elf Jahren im Verein ist (zuvor als Coach verschiedener Jugendmannschaften), hat zuletzt seinen Vertrag vorzeitig bis 2012 verlängert. Somit ist Hinck, der aus Rangendingen stammt, der dienstälteste Oberliga-Trainer. Seit seinem Amtsantritt spielen die Kickers in der höchsten baden-württembergischen Klasse.
„Die harmonische und hervorragende Zusammenarbeit mit Cheftrainer Dirk Schuster war für mich ein wichtiges Kriterium für die Vertragsverlängerung“, berichtet Björn Hinck, der seinen Hauptjob im Landratsamt Böblingen hat und seine aktive Spielerkarriere wegen einer schweren Knieverletzung früh beenden musste. Auch derzeit ist Hinck gehandicapt: Im Juli zog er sich einen Knöchelbruch zu – beim Wandern. Seinen Auftrag sieht der 33-Jährige darin, „die Fußballer der Stuttgarter Kickers sportlich weiter nach vorn zu bringen.
