Vom Träumen

26.08.2010 von Daniel Seeburger

„Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“, heißt ein flapsiges Sprüchlein, mit dem ich noch nie etwas anfangen konnte. Denn wenn man seinen Traum lebt, ist er Wirklichkeit geworden, also kein Traum mehr. Ohne das Kribbeln der Träume aber fehlt etwas.

Einer meiner Träume lässt sich geografisch verorten. Ich möchte irgendwann in meinem Leben Kambodscha besuchen. Erstmals bewusst wurde mir das Schicksal dieses kleinen Landes 1979, als vietnamesische Truppen in ihrem Nachbarland einmarschierten und dem blutigen Steinzeitkommunismus der Roten Khmer ein Ende bereiteten. Die Nachbarn rollten mit ihren Panzern auf einen gigantischen Friedhof. Rund zwei Millionen Tote fielen in vier Jahren Pol Pots Schergen zum Opfer – doch die Gräuel waren noch nicht zu Ende. Ein blutiger Guerillakrieg folgte. Nur langsam kehrt Normalität in eines der ärmsten Ländern der Welt ein. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen träume ich von einer Reise nach Kambodscha. Schon als Jugendlicher faszinierte mich das Land mit dem seltsam klingenden Namen und den freundlichen Menschen, dem warmen Monsunregen und den buddhistischen Mönchen in ihrem safrangelben Habit. Kambodscha ist mein Shangri-La, die gigantische Tempelanlage Angkor Wat mein Eldorado, mein mythisches Paradies . . .

. . . und einer meiner großen Träume. Ob er sich je erfüllen wird, steht in den Sternen. Aber das ist eigentlich auch egal. Denn manchmal sind Träume realistischer als die Realität. Und man sollte sie nicht zerstören.

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