Mund abputzen und weiter
Oberliga: TSG Balingen spielt bei Normannia Gmünd – Kehrt Scheu zurück?
Balingen, 27.08.2010 von Ralph Conzelmann
An und für sich ist die Sache sehr einfach: Von der TSG Balingen erwartet niemand, dass sie die Gmünder Normannen in Grund und Boden spielt. Vielmehr nimmt die Elf von Trainer Karsten Maier im Auswärtsspiel (Samstag, 15.30 Uhr) die krasse Außenseiterrolle ein. Nach drei Niederlagen in Folge geht es primär darum, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Das kann, muss aber nicht unbedingt gleich mit einem Sieg geschehen. Schon die Erkenntnis, mit irgendjemand mithalten zu können, täte gut.
Die Auswärtsaufgabe, die morgen auf den aktuellen Tabellendrittletzten wartet, ist heikel. Schließlich setzen sich die Normannen von der Ostalb – konkurrierend mit den Drittligisten Aalen und Heidenheim – hohe Ziele. Gmünd wartet mit vielen prominenten Fußballern auf: Kapitän Mark Mangold, Giuseppe Greco, Beniamino Molinari, Ertac Seskir, Cassio da Silva, Stani Bergheim oder Giuseppe Catizone haben schon höherklassig gespielt – die meisten davon als Profi. Catizone weist beispielsweise fünf Bundesligaeinsätze im Trikot des VfB Stuttgart auf. Auffallend ist, dass die Normannen quasi den kompletten Vorjahres-Kader halten und gezielt verstärken konnten.
An der Zielsetzung lässt man auf der Ostalb deshalb keine Zweifel aufkommen: Der letztjährige Tabellensiebte gehört zu den stärksten Teams in der Oberliga und hat Ambitionen, in die Regionalliga aufzusteigen. Mit Manuel Grampes haben die Gmünder einen 1,96 Meter-Hünen in der Angriffszentrale. Den Gegenpart dazu bildet der schnelle und wendige Bergheim. Und dann steht auch noch der langjährige Torjäger Molinari parat. Zudem gilt das Mittelfeld mit Catizone und Greco als exzellent besetzt. Kurzfristig nachgelegt hat der Klub mit Faruk Civelek, der vorige Woche einen Vertrag unterschrieben hat. Der 20-jährige Rechtsverteidiger gilt als Spieler mit gehobenem Oberliga-Format. Jedenfalls sagt sein Coach: „Er kann uns weiterhelfen.“
Apropos Trainer: Auf der Bank sitzt bei der Normannia ebenfalls ein bekanntes Gesicht. Helmut Dietterle (70 Bundesligaeinsätze für den VfB Stuttgart), der zuletzt beim VfR Aalen als sportlicher Leiter fungierte, schwingt seit dieser Saison das Zepter. Über seinen Kader urteilt der Übungsleiter so: „Wir haben sehr gute Spieler, die sich aber alle immer wieder neu beweisen müssen.“
Mund abputzen – und weiter. Eine andere Schlussfolgerung lässt das vorgestrige Balinger 0:1 gegen die Stuttgarter Kickers nicht zu. Zu den Lichtblicken zählten am Mittwoch der junge Felix Schaplewski und der verbesserte Levent Üner. Bitter allerdings, dass sich mit Alexander Jauß wieder ein Spieler verletzt hat: Der Rangendinger fällt mit einem Jochbeinbruch wochenlang aus.
Eine zarte Hoffnung besteht, dass morgen Karsten Scheu in den Kader rückt. Endgültig entscheiden wollte dies sein Trainer Karsten Maier aber erst nach dem gestrigen Abschlusstraining. Scheu, der in der Vorbereitung einen starken Eindruck hinterließ, laboriert an den Folgen einer Sprunggelenksverletzung. Gerade seine Rückkehr könnte aber dem Team helfen – schließlich ist der 20-Jährige ein Vollblutkicker, der die Rolle im zentralen, defensiven Mittelfeld auszufüllen vermag.
Drei Pokalsiege – und nun seit sechs Jahren in der Oberliga
FC Normannia Gmünd gehört seit sechs Jahren der Oberliga an. Der Verein trägt die Heimspiele im etwa 5000 Besucher fassenden Jahnstadion aus, das aus Richtung Stuttgart über die Bundesstrasse B 29 (bis zum Autohaus Wagenblast, dann zweimal rechts abbiegen) zu erreichen ist. Die Parkmöglichkeiten rund um die Sportstätte sind allerdings stark eingeschränkt.
Der Klub wurde 1904 gegründet und feierte 1966 mit der Württembergischen Meisterschaft und 2004 mit dem Titelgewinn in der Verbandsliga seine größten Erfolge auf Punktspielebene. Gleich dreimal holte die Normannia den WFV-Pokal auf die Ostalb: 1950, 1977 und letztmals 2007 (mit anschließendem DFB-Pokalspiel gegen Alemannia Aachen/Endstand 0:3 vor 4500 Zuschauern).
In der vorigen Runde wurde Gmünd Siebter (vier Punkte hinter Platz vier), trennte sich aber von Trainer Lothar Mattner (jetzt SSV Reutlingen). Zwei aktive Herren- und 16 Jugendmannschaften meldet der Verein neben einer Frauen- und drei Mädchenmannschaften zum Spielbetrieb. Als größte Rivalen gelten die Drittligisten 1. FC Heidenheim und VfR Aalen sowie der TSB Gmünd.
