Die Philosophie des Weges

02.09.2010 von Daniel Seeburger

Der Weg sei das Ziel, verkündete einst der chinesische Philosoph Konfuzius. Doch Philosophie sollte nie zum Poesiealbum-Sprüchlein werden, denn sie kann kompliziert sein. Das habe ich erst kürzlich festgestellt, als ich mich auf den Weg machte – ein festes Ziel vor Augen. Zu einem großen Möbelhaus nach Rottweil sollte es gehen. Der kürzeste Weg, der, folgt man eben jener Poesiealbum-Philosophie, nicht immer auch der beste und schnellste ist, hätte mich über Feckenhausen und Göllsdorf führen sollen. An der Abzweigung bei Schörzingen machte mich ein großes Schild darauf aufmerksam, dass die Durchfahrt durch Zepfenhan gesperrt sei. Aber das war für mich ja ohne jede Bedeutung – dachte ich zumindest. Aber schon wenige Minuten später, als sich die Straße nach Feckenhausen einerseits und Zepfenhan andererseits gabelte, wurde es schwierig. Denn, so machte mir ein weiteres Hinweisschild klar, die Ortsdurchfahrt durch Feckenhausen war auch gesperrt. Ich riss das Steuer meines Wagens herum und nahm Zepfenhan ins Visier – dort kenne ich die Schleichwege besser. Nachdem ich das Örtchen durchquert hatte, bog ich auf die Bundesstraße ein. Kurz vor Rottweil erklärte mir eine dritte Tafel, dass die Fahrt durch die Stadt wegen der Innenstadtsanierung nur sehr erschwert möglich sei. Mir blieb nur noch die großräumige B 27-Umfahrung. Zwischenzeitlich war mein fünf Monate altes Söhnchen im Maxi Cosi erwacht und begann lautstark zu protestieren. Mit halbstündiger Verspätung kam ich schließlich entnervt am Ziel an. Anstatt der üblichen 14 Kilometer war ich 30 Kilometer unterwegs.

Fazit: es gibt Momente, da können mich die Philosophen mit ihren Klugscheißereien mal. Vor allem dann, wenn das Ziel das Ziel, der Weg zu lang und die Windel voll ist.

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