Balingen in der Bredouille

Oberliga: Wichtiges Heimspiel gegen Weinheim – Gelingt Befreiungsschlag?

Balingen, 03.09.2010 von Ralph Conzelmann

Mit vier Niederlagen in Folge hat sich die TSG Balingen gehörig in die Bredouille gebracht. Gegen die TSG Weinheim täte ein Erfolgserlebnis also bitter Not. Das Kellerduell beginnt morgen um 15.30 Uhr.

Der Fußball-Oberligist TSG Balingen steht schon in der Frühphase dieser Saison am Scheideweg: Nur mit einem Heimsieg gegen die TSG Weinheim können die Kreisstädter die erste Sprosse auf der Tabellenleiter betreten. Alles andere als ein „Dreier“ führte zwangsläufig zum längeren Aufenthalt im schummrig-dunklen Liga-Loch.

Wie die Wende herbeigeführt werden kann, zeigten zuletzt ausgerechnet die morgen gastierenden Weinheimer. In den ersten fünf Saisonspielen (drei Unentschieden, zwei Niederlagen) waren die Nordbadener ohne echtes Erfolgserlebnis geblieben. Am vorigen Wochenende aber platzte der Knoten: Das 2:0 gegen Durlach war hochverdient und katapultierte die Elf von Trainer Dieter Heimen, der als FIFA-lizenzierter Spielervermittler arbeitet, fürs Erste aus dem größten Schlamassel.

„Wir hatten das Spiel über 90 Minuten unter Kontrolle“, freute sich Heimen nach dem allseits erhofften Befreiuungsschlag, dem allerdings schon ein respektables 2:2 gegen den Tabellenführer FC Nöttingen vorausgegangen war.

Gegen Durlach schlug die Weinheimer „Ungarn-Connection“ zu: Daniel Hahn, Vollblutfußballer mit deutsch-ungarischen Wurzeln, und Attila Laskai erzielten die beiden Tore gegen den neuen Tabellenletzten. Speziell in der Offensive sind die morgigen TSG-Gäste brillant bestückt, zumal kurz vor dem Ende der Transferfrist mit Ali Özgün (zuletzt VfR Mannheim, davor SV Waldhof) ein weiterer Stürmer geholt wurde.

Trotz des guten Kaders gibt man sich bei den Rhein-Neckar-Städtern zurückhaltend: Priorität genieße der Ligaverbleib, beteuert Co-Trainer Sascha Noe, der sogleich hochrechnet: „Dazu werden wir wahrscheinlich 45 Punkte brauchen.“ Zur Erinnerung: Vier direkte Absteiger gibt es auf jeden Fall. Sechs sind es maximal – je nachdem, ob, und wenn ja, wieviele Teams aus der Regionalliga aufgenommen werden müssen.

Rechnen muss auch die TSG Balingen. Und zwar zum einen mit einem selbstbewussten Gegner, zum anderen mit der eigenen Unsicherheit. Das bedeutet im Umkehrschluss, „dass wir Lösungen finden müssen“, wie es Trainer Karsten Maier formuliert. Denn der Coach weiß allzu gut, dass nach fünf Spielen eine erste Bilanz gezogen werden kann. Dass diese mehr schlecht als recht ausfällt, versteht sich von selbst.

„Wir haben 30 Minuten lang alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, blickt Maier ein letztes Mal auf die 3:5-Niederlage bei Normannia Gmünd zurück. Nach der fulminanten Auftaktphase hätte man dem Gegner jedoch viel zu einfache Tore gestattet. „Und genau das ist die Crux an der Geschichte: Einiges war gut, einiges sehr schlecht.“ Letztlich gelte es, dieses Negativerlebnis zu akzeptieren und die Lehren daraus zu ziehen. Maier weiß: „Es fehlen uns derzeit ein paar Prozent, um 90 Minuten lang konstant auf Oberliganiveau zu agieren. Wir müssen uns also verbessern.“

Den Plan, wie das geschehen kann, hält der Coach parat: Jeder habe sich zu hinterfragen, was zuletzt gefehlt hat, jeder müsse mit Leistung überzeugen, die Rückschläge verarbeiten und sich bewusst sein, dass „immer alles passieren kann. Dann werden wir auch wieder zurück kommen.“

 

Die TSG 62/09 Weinheim: Das Kind eines Zusammenschlusses

Die Balinger Bilanz gegen Weinheim ist ausgeglichen: Es gab erst zwei Punktspiele zwischen beiden Mannschaften – und dabei je einen Sieg für die jeweiligen Gastgeber. In der zurückliegenden Vorrunde gewann Weinheim mit 2:1, das Rückspiel entschied Balingen mit 4:0 für sich.

 

Die TSG 62/09 Weinheim zählt mehr als 6000 Mitglieder. Die Fußballabteilung in ihrer heutigen Form entstand erst 1997, als die TSG 1862 Weinheim mit dem seinerzeit in Konkurs gegangenen FV 09 Weinheim fusionierte.

 

Vor dem Zusammenschluss war der FV 09 Weinheim der weitaus erfolgreichere Verein. 1970 scheiterte der Klub in der Aufstiegsrunde zur zweitklassigen Regionalliga Süd knapp. 1978 gehörte der FV 09 zu den Gründungsmitgliedern der Oberliga Baden-Württemberg, wo man 1988 Meister wurde, aber auch im zweiten Anlauf den Sprung in die Zweitklassigkeit verpasste.

 

Als Sternstunde im Weinheimer Fußball gilt der 1:0-Sieg im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München (1990). Umjubelter Torschütze war Thomas Schwechheimer.

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