Männer wie Gladiatoren
10.09.2010 von Daniel Seeburger
„Slim fit“ – welch garstig Wort! Jeder Mann, der nicht die Gardemaße eines römischen Gladiators hat, dessen Brust sich nicht in V-Form in Richtung Bauch verjüngt, bekommt Schweißausbrüche, wenn er diesen Begriff auf dem Label eines modischen Hemdes in der Herrenabteilung eines Kaufhauses sieht. Jedes überflüssige Grämmchen Fett wird von „slim fit“ schamlos zur Schau gestellt. Von „Speckröllchen“ redet der Volksmund verniedlichend – schonungsloser formuliert: es ist das Feierabendbier, das ohne vorherigem Zehn-Kilometer-Lauf getrunken wurde; es ist die Butter, ohne die das Brot so trocken schmeckt; es ist die Kugel Eis, die mit Sahne noch viel besser schmeckt und es ist die Packung Chips beim Länderspiel – weil Trockenpflaumen einfach nicht zu Fallrückziehern passen. Als ich neulich ein neues Hemd kaufen wollte, tappte ich voll in die „slim-fit-Falle“. Zehn Hemden, die mir gefallen hätten - alle „slim fit“ oder noch eine Spur gemeiner: „extra slim fit“. Nur zwei Hemden mit den Ausmaßen von Zweimannzelten und in furchtbarer Optik, aber dafür in „regular fit“. Nach langem Überlegen fand ich eine Lösung. Auch mir passt „slim fit“ – allerdings in der Größe XXXXL. Mein Bäuchlein findet dann genügend Platz zum Atmen und gleichzeitig werden die Knie gewärmt. Zwei Fliegen mit einer Klappe, was will der echte Mann mehr.
