„Für unsere Region nur Vorteile“

Der Balinger Dr. Dietmar Foth als routinierter Zugpendler sieht Stuttgart 21 als Chance

Balingen, 10.09.2010 von Rosalinde Conzelmann

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„Stuttgart 21 ist für unseren Kreis und die Region wichtig“, sagt Dr. Dietmar Foth. Der Jurist pendelt werktags mit den Zug von Balingen nach Stuttgart. Von den Demonstrationen bekommt er trotzdem wenig mit.

Nach zwei Wochen Urlaub pendelt der Balinger seit Montag wieder nach Stuttgart, wo er auf dem Oberlandesgericht als Vorsitzender Richter tätig ist. Foth ist ein routinierter Zugfahrer, seit eineinhalb Jahren bevorzugt er die Schiene gegenüber der Straße. Zuvor war er schon einmal fünf Jahre Zugpendler. Nur wenn für den FDP-Stadtrat und Kreisrat wochentags Sitzungstermine anstehen, nimmt er das Auto, „weil es einfach zu knapp wird und zu unsicher ist.“

Der Familienvater nimmt den ersten Zug, der um 6.19 Uhr am Balinger Bahnhof losfährt. Derzeit ärgern ihn die Verspätungen des Interregio so sehr, dass er sich am Mittwoch schriftlich an Landrat Günther-Martin Pauli gewandt hat, um sich über die „nicht akzeptablen Zustände“ zu beklagen. So ist es diese Woche vorgekommen, dass die Zollernbahn bei der Rückfahrt von Stuttgart nach Balingen so spät eintraf, dass am Balinger Bahnhof Endstation für die Fahrgäste war. „Für diejenigen, die mit Bussen weiterfahren sind die Anschlüsse weg und die Albstädter müssen auf den nächsten Zug warten“, nennt Foth die ärgerlichen Konsequenzen.

Diese Vorfälle und die Verspätungen sieht Foth durchaus in Verbindung mit dem Stuttgarter Bahnhof – „weil es dort immer wieder Probleme gibt mit dem Rein- und Rausrangieren gibt und es zu Staus kommt“. Umso mehr erhofft sich der Familienvater mit der Realisierung des Bahnprojektes Stuttgart 21 eine Verbesserung der Situation vor allem für das Stuttgarter Hinterland und die nahe Region. Foth ist davon überzeugt, „dass dies eine Chance auf eine deutliche Verbesserung des Schienenverkehrs ist“. Besonders schwer wiegt aus seiner Sicht auch das Argument der schnelleren Anbindung für das Hinterland an den Stuttgarter Flughafen und die Messe. „Wir könnten in 50 Minuten beide Plätze erreichen, da braucht man nicht mehr das Auto zu nehmen.“ Er sieht auch den Landkreis in der Pflicht: „Die Bahnstrecke Tübingen-Balingen-Albstadt muss elektrifiziert werden.“

Von den aktuellen Demonstrationen bekommt der Zugfahrer nur wenig mit, „weil sich diese vor allem am Nordflügel abspielen.“ Dort finden auch die ersten Bauarbeiten statt. Aber Stuttgart 21 ist natürlich auch auf dem Bahnhof ein Thema. Immer mal wieder werde auch unter den Fahrgästen im Zug darüber debattiert.

Von einem Volksentscheid hält der Jurist wenig: „Schließlich wurde das Vorhaben jahrelang auf allen demokratischen und juristischen Wegen abgeklärt.“ Weil das Milliardenprojekt nicht nur die Stuttgarter betreffe, plädiert Foth dafür, dass auch die Entscheidung darüber „nicht allein die Sache der Stuttgarter ist.“

Die Befürchtungen der Gegner, dass die Kosten aus dem Ruder laufen, kann der Kommunalpolitiker durchaus verstehen. Allerdings könne auch er nicht beurteilen, ob diese Behauptungen zutreffen. „Man muss natürlich die Kosten Griff halten“, sagt er.

In seinem Schreiben an Pauli fordert er den Landrat zum Handeln auf: Die wichtige Bedeutung von Stuttgart 21 müsse den Bürgern im Kreis „aktiv verdeutlicht werden“.

Traurig

Hier nutzt ein Kommunalpolitiker die Chance "auf den fahrenden Zug aufzuspringen" und seiner Parteiführung zu Diensten zu sein sowie sich selbst ins Rampenlicht zu manövrieren.

Wie kompetent und realitätsnah die Reiseerfahrungen eines persönlich unabhängigen Richters, der im Gericht erscheinen kann wann er will, sind mag dahingestellt sein - wie repräsentativ diese Erfahrungen sind gleichfalls.

Dass er selbst das Auto nimmt, wenn er pünktlich erscheinen muss spricht jedoch Bände und es ist definitiv nicht davon auszugehen, dass Stuttgart 21 die Anbindung Balingens an den Schienenverkehr oder die allgemeine Zuverlässigkeit der Bahnbetreiber verbessert.

Ich vermute im Übrigen, dass Herr Foth erste Klasse reist, denn ich habe die selbe Bahnverbindung auch längere Zeit benutzt und bewunderte immer wieder den Viehwagen-Charme des morgendlichen Personentransportes auf dieser Strecke.

Eine tatsächliche Notwendigkeit von Stuttgart 21 begründet er nicht überzeugend. Gleichwohl wäre anzumerken, dass das Projekt zwar durchaus auf demokratischen Wegen abgeklärt wurde, die Kostenexplosion und diverse andere Probleme jedoch erst im Nachhinein bekannt wurden (zumindest der Öffentlichkeit).
J. Baer am 15.09.2010 07:55:59

Antwort auf Traurig

.....begründet er nicht überzeugend. ( Sehr gut mit den Worten der Richter ).
.....können zur Arbeit kommen fast wann sie wollen.
(siehe Richter im Kachelmann-Prozess )
Denker am 15.09.2010 19:32:55

S 21

Es kann doch nicht behauptet werden, dass
die politischen Handlungen IMMER richtig sind.
Die meisten Politiker sind Beamte, Lehrer und ähnliches und tragen auch zum PSB nichts bei. Werden
ihr Leben lang allimentiert und auch ihre Untaten sollen vom nickenden Steuerzahler beglichen werden.
Schaut man sich die 2 km Röhre in Köln an müsste
Ernüchterung aufkommen: 3-fache Kosten, Bauzeit x2,
mehrere Tote, und kein Ende.
M.Denker am 11.09.2010 14:55:05

Sehr guter und notwendiger Beitrag.

Die Gegner des Ausbaus der Stutggarter Region, demonstrieren ja nicht um eine Verbesserung der Region. Die streiten um das Ansehen einiger, vor allen Grünen und roten Politiker, zu verbessern. Ich glaube, dass die sich so irren, wie die Gegner des Herrn Sarrazin! Die eine "Volksabstimmung" wollen, sollten mal an das schweizer Minaretten-Referendum oder das Hamburger Schul-Referendum denken. Ich sage das, obohl ich mit Dr Foth ganz übereinstimme. In der Demokratie entscheiden IMMER die gewählten Politiker, nicht die selbsternannten Welterlöser und davon gibt es leider auch schon viel zuviele auf der Zollern-Alb!!! Wenn unsere gewählte Regierung hier nachgibt, kann sie niemer wieder ein Projekt durch führen. Die merken sich das und werden jedesmal gleich loslegen.
Die meisten dieser "Demonstranten" kommen ohnehin von kleinen Gruppen aus anderen Grossen Städten. Und diese kleinen Gruppen sind selber nicht demokratisch geführt, wie können die von Demokratie sprechen - die wollen doch KEINE Demokratie! Schmeißt die raus aus Bad.-Württ. und das Land kann wieder die Fürung der Entwicklung in Deutschland übernehmen!
Soll aber keiner mit Toleranz kommen. Denn wo Zerstörer an die Demokratie wollen, endet bei mir die Toleranz! Herr Dr Foth, die schweigende Mehrheit ist NICHT mit den Gegner der Entwicklung und die wissen es.
josef Bujtor am 11.09.2010 12:10:03

Antwort auf Sehr guter und notwendiger Beitrag.

Was hat das Vergraben eines Bahnhofes mit Führung
in der Entwicklung zu tun.
Die Erfindung der Glühbirne entstand auch nicht
durch die Weiterentwicklung der Kerze.

Das Schienensystem mit der Spurbreite von vor 150 Jahren und der Notwendigkeit von Schwerkraft anstatt
eines Umschlingungssystems wirds wohl nicht sein.
A. Arnold am 11.09.2010 15:15:38

Stuttgart21

Warum erscheint in keinem Artikel, dass wir wegen Stuttgart21 keine Direktverbindung mehr nach Stuttgart haben werden, sondern in Tübingen umsteigen müssen? Grund: Dieselloks bzw. Triebwagen dürfen nicht mehr in den unterirdischen Bahnhof fahren.
Fährt dann überhaupt noch der Neitech oder muß mit dem Bummelzug nach Tübingen gefahren werden?!
Von einer Elektrifizierung können wir nur träumen, siehe der schleppende Ausbau der B27, der uns beim Bau der A81 mit nördlichem Verlauf versprochen wurde.
Karl-Heinz Seeger am 10.09.2010 14:22:00

Antwort auf Stuttgart21

Richtig,
eine neue Garage beseitigt noch lange nicht die
Mängel der Fahrzeuge und Strecken.
Das Fiasko ist im Anmarsch.

Denker am 10.09.2010 15:58:45

S 21

Kein Volksentscheid.- Klar, dann würde sich nähmlich zeigen
dass mit der Wahl der Politiker NICHT alles akzeptiert
werden kann was danach folgt.
Das Risiko, Stuttgart 12 Jahre lang zu durchlöchern
ist zu gross. Und Geld ist ja sowiese nur negativ
vorhanden. Zur Zeit ca. 3.000. 000.000,00 Euro.
denker am 10.09.2010 12:23:03
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