Der König im blühenden Reich
Der 71-jährige Karl Gulde betreut den Geislinger Schlossgarten seit fast 40 Jahren
Geislingen, 11.09.2010 von Rosalinde Conzelmann
Und dabei bot der Schlossgarten vor noch gar nicht allzu langer Zeit einen trostlosen Anblick. Nur die Lehrergärten machten einen einigermaßen gepflegten Eindruck. Karl Gulde hat das Erblühen der Park- und Gartenanlage nicht nur miterlebt, sondern mit weiteren Gartenfreunden in die Wege geleitet und Zug um Zug umgesetzt. Dafür hat er den Spaten unzählige Male in die Hand genommen.
Die Geschichte des Schlossgartens ist auch die Geschichte des Geislingers, der Schreiner gelernt und in diesem Beruf bis 1972 gearbeitet hat. Der Garten war aber schon in jungen Jahren sein Steckenpferd. Gulde trat im Jahr 1966 dem 1957 gegründeten Siedler- und Kleingartenverein bei. Hier vertiefte er sein gärtnerisches Wissen und besuchte auch Fortbildungen. Sein „grüner Daumen“ blieb auch dem Rathaus nicht verborgen und 1972 wurde Gulde als erster Stadtgärtner in Geislingen angestellt. Seine Aufgabe war im Sommer die Pflege der Grünanlagen, im Winter führte er Schreiner- und Hausmeistertätigkeiten aus. So kam er auch zum Schloss und den dazugehörigen Außenanlagen. „Das Schloss war nicht gerichtet, der Garten eine Katastrophe, die Balustrade war beschädigt und Teile davon lagen im Graben“, erinnert er sich noch genau. Es wurden zu dieser Zeit auch Stimmen laut, das Schloss, den „alten, baufälligen Kasten“, abzureißen – so wie den Hagenstall und das Gärtnerhäusle im Schlosshof. „Gott sei Dank ist das nicht passiert“, schüttelt Gulde auch heute noch den Kopf ob dieser abstrusen Idee – „aber das war halt der Zeitgeist.“ Der wandelte sich und die Stadt erkannte die Einzigartigkeit des historischen Gebäudes und begann Ende der 70er Jahre mit der Renovierung der Außenfassade. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch die Mauer hergerichtet und der Schlossgarten eingeebnet, der von Unkraut überwuchert war. Der Großteil der Arbeiten wurden vom Bauhof ausgeführt.
Für Karl Gulde, der zwischenzeitlich die Gartenfreunde als Nachfolgerverein der Siedler- und Kleingärtner leitete, begann eine arbeitsreiche und kreative Zeit: Dank seiner guten Kontakte zum Landesverband bat er einen Fachberater bei der Neugestaltung der Parkanlage um Rat. Es gab einen Vor-Ort-Termin, an dem auch der damalige Bürgermeister Siegfried Ginter teilnahm. Der Fachberater fertigte einen Plan. Als Grundlage diente eine historische Abbildung des barocken Gartens aus dem Jahr 1794. „Auch das Landesdenkmalamt hat natürlich mitgeredet“, erzählt Gulde. Im Jahr 1983 hat der Bauhof mit dem Wegebau angefangen. Von Frühjahr bis Allerheiligen dauerten die Arbeiten an. Auch die drei Brunnen wurden hergerichtet. „Der damalige Bauhofchef Franz Ott hat das gesamte Wegenetz gemacht“, weiß es der 71-Jährige noch ganz genau, schließlich ist er die Pfade schon unzählige Male gegangen. Auch bei der Bepflanzung hat sich Gulde, der von seinen Vereinskollegen unterstützt wurde, an den Plan gehalten. Die besondere Verbundenheit der Gartenfreunde mit dem Schloss und dem Park resultiert auch aus der Tatsache, dass der Verein seit 1978 im Schloss sein Domizil hat. Die rund 200 Mitglieder haben ihre Räume mit viel Aufwand hergerichtet.
Karl Gulde, der mit seiner Ehefrau in der Bachstraße lebt und zwei Söhne großgezogen hat, ist seit 1999 im Ruhestand. Seither widmet er der Pflege der Parkanlage noch mehr Zeit. Von Mai bis August ist er jeden Tag in der Grünanlage. In den heißen Wochen im Juni benötigte er allein zwei Stunden zum Gießen. Auch die Wartung der Brunnen, die von der ehemaligen Schlossquelle gespeist werden, liegt in seinen Händen.
Für den Geislinger ist der Schlosspark Herausforderung und Lebenselixier. Deshalb denkt er auch noch nicht ans Aufhören. „Das ist doch mein Garten“, sagt er lachend. Und denn will er pflegen, „so lange ich es noch kann.“
